Frauendemo zum internationalen Frauenkampftag

IMG_1174IMG_1254  IMG_1352 IMG_1342

Pressecommuniqué 11. März 2017 Frauen-Demonstration zum internationalen Frauenkampftag 8. März in Zürich

Heute haben sich 1500 Frauen auf dem Hechtplatz in Zürich besammelt zur alljährlichen Frauendemonstration zum internationalen Frauenkampftag. Es ist das hundertjährige Jubiläum der russischen Revolution, an der Massen von Frauen, die sich gegen den Hunger und den Zaren organisierten, zuvorderst beteiligt waren.

In diesem Jubiläumsjahr der Kämpfe der arbeitenden Frauen wurde in Zürich am Mittwoch 8. März erstmals die abendliche Frauendemonstration mit ca. 250 Frauen von der Polizei mit Gummigeschossen, Knüppeln und Pfefferspray angegriffen. Begleitet von sexistischen und rassistischen Kommentaren der ausschliesslich männlichen Bullen, wurde die Demo Stundenlang im Regen eingekesselt. Die über hundert Frauen im Kessel blieben guter Stimmung, riefen Parolen, sangen und tanzten. Auf der anderen Seite der Bullenreihen organisierte sich in der Langstrasse spontane und vielfältige Solidarität.

Umso stärker ist die Kraft und die Wut der heutigen Demonstration der Frauen. Passend dazu der Aufruf der diesjährigen Demo: «Frauen*, organisieren wir uns gegen Faschismus, Krieg und Patriarchat!»

Wie jedes Jahr, seit mehr als drei Jahrzehnten, nahmen sich die Frauen heute in Zürich die Strasse, ohne die Behörden um eine Bewilligung zu bitten. Die Massenmedien entdeckten dieses Jahr plötzlich den Frauentag für sich. Im Unterschied dazu wurde die kämpferische Tradition des Tages zu Beginn betont. Am Besammlungsort wurden Begrüssungsreden aus dem internationalen Frauenkampf in verschiedenen Sprachen gehalten.

Vom Hechtplatz machte sich der kämpferische, lautstarke und vielfältige Demozug auf, um über den Münsterplatz zum Banken-Herz der Stadt zu ziehen.

Die UBS im Zentrum des Finanzkapitals wurde gebührend angegriffen. Uns wurde folgende Stellungsnahme zugestellt: “Kriegsprofiteure angreifen! Mit diesem Schriftzug haben einige Frauen am Paradeplatz die UBS markriert und rote Farbe im Eingangsbereich ausgeschüttet. Auch in der Schweiz profitiert die Rüstungsindustrie und die Finanzbranche von den imperialistischen Kriegen und der weltweiten Aufrüstung. Trotz eines gesetzlichen Verbots finanziert die UBS, die CS, die Kantonalbanken und die SNB Rüstungskonzerne, die an der Produktion von Atomwaffen und Streumunition beteiligt sind. An der Spitze steht die UBS, welche Atomwaffenproduzenten 3.5 Mia. US-Dollar zur Verfügung gestellt hat. Ausserdem finanziert sie drei der acht wichtigsten Streumunitionsproduzenten.”

In diesem Kontext gilt es, Kriegsprofiteure anzugreifen und sich mit den kämpfenden Frauen in Rojava zu solidarisieren. Sinnbildlich dafür gab es ein Theater auf dem Dach des Tramhauses am Paradeplatz.

Von da aus bahnten wir uns den Weg über die Shoppingmeile der Bahnhofstrasse in das durch die Europaallee von der Aufwertung umklammerten ehemalige Arbeiterinnenviertel. Als Reaktion auf den gewalttätigen Bulleneinsatz vom 8. März wurde der Posten an der Militärstrasse mit Farbe und Glitzer eingedeckt. Repression macht wütend und motiviert uns, umso mehr auf die Strasse zu gehen.

Abschliessend machte die Demonstration einen Abstecher zum Bezirksgefängnis. Nekane Txapartegi, die baskische politische Gefangene, und alle Gefangen wurden lautstark gegrüsst und unsere Solidarität ausgedrückt. Nekane wurde hier vor fast einem Jahr verhaftet und sitzt seither in Zürich im Knast. Es droht ihr die Auslieferung durch die Schweizer Behörden an ihre Folterer und Vergewaltiger der spanischen Polizei. Wir fordern ihre sofortige Freilassung und den Schutz vor Folter und sexueller Gewalt für alle Frauen auf der Flucht!

Auf der Stauffacherstrasse beim Helvetiaplatz fand die Abschlusskundgebung statt mit Reden, Musik und Tanz.

Die Parolen und Forderungen waren während der ganzen Demo nicht zu überhören. Es wurden unter anderem Reden zu sexistischen Schönheitsidealen, kapitalisitischer Ausbeutung, dem kurdischen Widerstand und sexualisierter Gewalt gehalten. Es wurden viele Flugblätter und Zeitungen verteilt, Reden gehalten, Aktionen durchgeführt und Parolen gesprayt. Transparente, Schilder, Fahnen, Knaller und verschiedenes Lärmgerät und Pfeifen begleiteten die laute Demonstration. Heute setzten wir ein starkes Zeichen gegen Patriarchat und kapitalisitische Ausbeutung. Wir waren viele, wir werden mehr und wir kommen wieder!

8. März-Frauenbündnis Zürich

Beritan Frauenrat, BFS Frauen, FrauenLesbenKasama, Frauen-Café Winterthur, Gruppe für eine antikapitalistische Praxis, kriPo Frauen*, KuK-Frauen, Neue Frau/ATIK, Frauenstruktur/Revolutionärer Aufbau Zürich, Revolutionäre Jugend Zürich, Sozialistischer Frauenverband aus der Türkei und Kurdistan SKB, Tierrechtsgruppe Zürich und Einzelfrauen

Kontakt: frauenbuendnis(at)immerda.ch

Mehr Infos, Fotos und Texte: www.frauenbuendnis-zueri.ch

Hintergrundinfos

Seit Jahrzehnten wird die 8. März-Demonstration ohne offizielle Bewilligung und unter solidarischem Fernbleiben der Männer durchgeführt. Sie ist ein wichtiger Anlass und wird von einem vielfältigen, linken, revolutionären und feministischen Frauenbündnis organisiert. Das Bündnis deckt viele Spektren der ausserparlamentarischen Linken und der linken Frauenzusammenhänge ab.

In diesem Raum, den wir uns einmal im Jahr für ein paar Stunden erobern, äussern wir uns laut und deutlich über die politischen und sozialen Kämpfe, die hier und weltweit von Frauen geführt werden. Wir drücken unsere Solidarität aus und thematisieren Aktuelles und Historisches. Denn von all den schönen Dingen wie Gleichberechtigung und Lohngleichheit, von gerechter Arbeitsteilung und Aufenthaltsrechten für alle Frauen sind wir sehr weit entfernt. Deshalb kämpfen wir am internationalen Frauenkampftag ‑ und an jedem anderen Tag ‑ gegen die Gewalt an Frauen, für eine Kollektivierung der Hausarbeit, gegen Sexismus, gegen Rassismus, gegen die Illegalisierung von Migrantinnen, für mehr Lohn und mehr Freizeit und vieles mehr… Kurz: Wir kämpfen für ein gleichberechtigtes und selbstbestimmtes Leben in einer Gesellschaft ohne Ausbeutung und Unterdrückung.